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Buchempfehlung: Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache
Ob ein solches Buch hierher gehört? Ein Tagungsband, herausgegeben von Messling und Tintemann (2009, Wilhelm Fink Verlag) der sich in vierzehn Aufsätzen mit Humboldts geflügeltem Satz auseinandersetzt und dabei jeden Winkel Zur Sprachlichkeit des Menschen (so der Untertitel) ausleuchtet? Wir trauen uns mal.
Zwar taugt das Buch nicht als Lektüre zwischen Weihnachtsgans und Stollen. Wer sich aber für Sprache interessiert, erhält hier einen Einblick in die Vielfalt des Themas. Gleich im ersten Aufsatz finden wir die Feststellung, dass die Sprache von mindestens zwei Seiten angegriffen wird: zunächst von der Wissenschaft, die Sprache in ein enges Korsett zwingen muss, damit ein bestimmter Begriff in jedem Kontext dasselbe bedeutet - was idealerweise die internationale Beschränkung auf nur noch eine Sprache nahelegt (und da liegt das Englische relativ nahe).
Von der anderen Seite droht ihr schon von Alters her die Philosophie. Sie sucht das Wesen der Dinge hinter ihrer Bezeichnung und entwickelt daraus die irrationale Sehnsucht nach dem Wahren und Schönen jenseits sprachlicher Zwänge. Sie übersieht dabei, dass, was nicht gesagt auch nicht gedacht und schon gar nicht einem anderen vermittelt werden kann (vergessen wir für den Augenblick mal den Warnschrei und das dezente Aufstoßen nach einem guten Essen).
Ein anderer Aufsatz befasst sich mit der hochaktuellen Bedrohung der Sprache durch das Bild, die so alt ist wie die Hieroglyphen. Gleich der nächste Beitrag weist dann schlüssig nach, dass das Bild nicht der Feind der Sprache ist, sondern beide sich brauchen, die Sprache die Bilder und die Bilder die Sprache.
Allen Texten merkt man ihre Vortrags-Herkunft an, was sie trotz der abstrakten Materie ausgesprochen lesbar macht. Ein spannendes Buch für Sprachinteressierte!
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