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IHR NEWSLETTER AUS DER SPRACHWERKSTATT |
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Alter Adel
Beim Streit um die richtige Bedeutung eines Wortes gibt es eine Waffe, die alle Gegenargumente wegwischt: die Etymologie eines Wortes, seine Herkunft. „Das kommt von…“ adelt die einzig wahre Bedeutung. Wir nutzen diese Waffe auch, natürlich, warum denn nicht. Aber Vorsicht! Nehmen wir mal geil. Das ist ein Wort, das die Älteren unter uns in ihrer Jugend höchstens hinter vorgehaltener Hand benutzt hätten. Da hieß es nämlich lüstern, nur nicht so distanziert. Eine geile Alte wäre eine sehr ungehörige Zusammenstellung gewesen. Inzwischen meint das, umgangssprachlich zwar und gleichstellungspolitisch nicht korrekt, eine gutaussehende junge Frau, zum Rotwerden reicht es jedenfalls nicht.
Die Behauptung Geiz ist geil hätte vor zwanzig Jahren nicht nur wegen ihrer totalen Umwertung der alten Todsünde Geiz die Gemüter erregt.
Hunold weist 1972 im Lexikon des pornographischen Wortschatzes fast bedauernd darauf hin, dass das altgermanische Wort geil ursprünglich soviel wie kraftvoll, üppig, übermütig geheißen habe, inzwischen jedoch nur noch wollüstig, lüstern, sexuell erregt bedeute. Schön zu wissen. Aber da zeigt sich, wie Wörter und ihre Bedeutung im Fluss bleiben: Man konnte geil 1972 bei aller Etymologie eben nicht altgermanisch - und man kann es heute kaum noch pornographisch verwenden.
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Noch mehr Herkunft
Wer eine witzige, ziemlich umfassende Website mit ausführlichen und gut
recherchierten Beiträgen zur Etymologie nicht nur
deutscher, sondern auch englischer oder französische Wörter und
Redewendungen sucht, schaue unter http://www.etymologie.info
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Sprache: Worte, die zeigen sollen, daß dem, auf den sie gemünzt sind, die charakterliche Würde fehlt, welche den auszeichnet, der sie ausspricht.
Ambrose Gwinnet Bierce (1842 - 1914) |
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Tür zu, es zieht!
Der Wind griff schneidend zwischen Kopf und Kragen und ließ uns den Hals tiefer in die Schultern ziehen. „Hier zieht’s ja wie Hechtsuppe“, leise klang die Klage durch den aufkommenden Oktobersturm.
Aber zwischen den taumelnden Blättern im herbstlichen Wald weit und breit keine Spur von Hecht oder Suppe.
Was also sollte das?
Fischsuppe muss lange ziehen, damit sie ihr volles Aroma entfaltet, half die Hausfrau. Das sei an den Haaren herbeigezogen, fand der Bildungsbürger gleich eins in der Suppe. Der Begriff komme aus dem Jiddischen „hech suppa“, bedeute so viel wie starker Sturm.
Wärmer wurde uns dadurch nicht. |
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